Samstag, 14. Juni 2008

Über Scanner und Taucher

Mit Entsetzen muss ich feststellen, dass mein letzter Eintrag schon eine halbe Ewigkeit zurückliegt. Das ist schade, denn eigentlich sind tausend Dinge passiert, über die ich hätte schreiben können. Eine Beerdigung, ein strategisches Treffen in politischen Kreisen, ein unangenehmer Zahnarztbesuch, Fußballspiele und halt der ganze alltägliche Wahnsinn ohne den das Leben nur halb so schön wäre.
Aber mal abgesehen von der Tatsache, dass ich zugegebener Maßen schreibfaul war, habe ich mir während der letzten Wochen viele Gedanken gemacht. Sie wissen ja mittlerweile vielleicht, dass ich ein Ratgeber - Junkie bin. Und natürlich ist mir wieder mal ein spannendes Buch über den Weg gelaufen, das mir eine völlig neue Sichtweise auf mein Wesen eröffnet hat.
Aber ich will von vorn anfangen und Ihnen erst ein wenig mehr über mich erzählen, bevor ich Ihnen das Buch empfehle.
Ich gehöre zu den Menschen, die sich nicht für einen Beruf entscheiden wollen. "Wie bitte?", werden Sie jetzt mit Sicherheit fragen. "Die Frau ist fast 41 und überlegt noch, was sie werden will??????"
Ja. Oder besser Jein. Denn ich habe ja bereits zwei Tätigkeitsfelder, auf denen ich mich austobe. Und trotzdem kommen mir ständig neue Ideen, was ich beruflich noch machen könnte. Das allein wäre ja nicht so dramatisch, wenn mir nebenher nicht auch noch hundertfünfzig andere Dinge im Kopf herumschwirren würden, die ich in meiner Freizeit gern machen würde. Malen, Gitarre spielen lernen, mein Englisch auffrischen und und und.
Manchmal habe ich das Gefühl, ich müsste 150 Jahre alt werden, um all das zu schaffen, was ich mir vorstelle und mir wünsche. Das ist auf der einen Seite toll - ein Zeichen von Beweglichkeit, Neugier und Begeisterungsfähigkeit. Auf der anderen Seite hindert es mich daran, eine echte Karriere auf's Parkett zu legen. Denn man kann nicht aufsteigen, wenn man nur bis zur dritten Sprosse kommt und dann die Leiter wechselt.
Und so habe ich bisher diesen Wesenszug an mir nicht besonders geschätzt, sondern habe eher all denen Recht gegeben, die mich in die Schublade " sprunghaft und ziellos " stecken.
Völliger Blödsinn - und nun kommen wir zum Buch - ich bin nicht sprunghaft. Ich bin ein "Scanner". Und sollten Sie auch zu jener Spezies gehören, die das Gefühl haben, dass ein Menschenleben nicht ausreicht, um all die tollen Dinge zu lernen, zu erleben, zu probieren, zu studieren, zu üben - dann herzlich willkommen im Club. Dann sind sie nämlich vielleicht auch einer - ein Scanner. Anders als die Gruppe der "Taucher", die sich nur in einer Sache vergraben und gar nicht auf die Idee kommen würden, links und rechts die Antennen auszufahren, tragen wir einen Rundumparabolspiegel auf dem Kopf, der peinlich genau jedes kleinste verlockende Detail aus der Umgebung aufnimmt und uns ungefiltert und schmackhaft serviert.
Die Unternehmensberaterin und Autorin Barbara Sher hat ein Buch über uns geschrieben. Eine Art Bibel für leidgeplagte Alleswoller.


Schon der Titel erlöst.
Ich kann nur jedem, der ähnlich wie ich gestrickt ist, dieses Buch an's Herz legen. Mir hat es sehr geholfen, mich ein wenig besser zu verstehen und es hat mir die Angst genommen, nicht alles zu schaffen. Mit dieser Freiheit im Kopf, kann man wesentlich besser planen und man hat Platz für viele neue Ideen :-)

1 Kommentar:

Nils hat gesagt…

Finde es nur schade, das im buch scheinbar adhs als häufig verwechselte fehldiagnose gewertet wird.
Ich bin der Meinung, das beides nicht nur ähnliche Symptome hat, sondern auch einen gemeinsamen genetischen Ursprung. Bzw. das durch ADHS sehr oft automatisch diese Züge entwickelt werden, die im Buch beschrieben sind.
Da man beim einen ja nicht das andere ausschliessen muss, würde ich jedem empfehlen, den Bereich auch genauer unter die Lupe nehmen, vor allem wenn in der Familie bereits solche Fällt bekannt sind bzw. bisher der Familie gewisse Verhaltensmuster zugeschrieben werden, diese also scheinbar vererbt werden.