Donnerstag, 28. April 2016

Steh auf!

Egal ob man Kinder hat oder nicht - jeder Mensch kann sich vorstellen, wie abgrundtief der Schmerz sein muss, wenn man sein geliebtes Kind verliert. Gerade habe ich wieder die Bilder aus Syrien gesehen. Von weinenden Eltern, die es nicht fassen können, dass ihnen ihre Kinder genommen wurden. Ich erspare Euch den Anblick, aber nicht meinen Schmerz darüber. Und ich schreibe das hier auch gern hundert- oder tausendmal, bis endlich etwas passiert.

Dienstag, 19. April 2016

Idomeni - wo Politik versagt

Der Straßenhund hebt den Kopf, dann wedelt er kurz mit dem Schwanz und kommt auf mich zu. Er sagt nicht Hello wie die Kinder von Idomeni. Er zupft nicht an meinem Pulli, greift nicht in meine Taschen oder streckt die Hand für ein Gib check aus. Nein. Er bleibt stehen und schaut mich mit seinen liebevollen, braunen Augen an.

Samstag, 16. April 2016

Verdammt müde

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich bin verdammt müde. Nicht, weil ich mir die Nächte um die Ohren schlage oder zu viel arbeite. Es ist eine andere Müdigkeit, eine, die mich runterzieht, die mich zweifeln lässt. Eine, die sich so gar nicht gut anfühlt und die man auch nicht wegbekommt, indem man sich nachmittags mal eben kurz in die Sonne setzt und die Seele baumeln lässt.

Donnerstag, 7. April 2016

Ein offener Brief

Sehr geehrte Frau Merkel,
der letzte Brief, den ich einem Politiker geschrieben habe, war an Erich Honecker adressiert. Es war ein wütender Brief, weil ich mich eingesperrt und ungerecht behandelt fühlte. Ich wollte ausreisen, zu meiner Mutter nach Westberlin übersiedeln, aber das Ministerium des Inneren verweigerte mir über zweieinhalb Jahre diesen Wunsch.

Sonntag, 27. März 2016

The failed state - Idomeni

Der Registrierungshotspot Moria
Ich sitze im Terminal B des Internationalen Flughafens von Athen. In meiner Tasche habe ich einen Ausweis, ein iPad, ein Handy und eine Kreditkarte - eine Ausstattung, die es mir ermöglichen würde, von hier aus zwar nicht um die ganze Welt, aber immerhin problemlos nach Grönland, Tunesien, ins Kosovo und in alle europäischen Länder zu reisen, um notfalls von dort aus auch arbeiten zu können. Ein paar Hundert Kilometer von mir entfernt, in Idomeni, auf Lesbos oder Chios sitzen Menschen fest, denen all das nicht gestattet ist.

Samstag, 26. März 2016

Take care, Volonteers!

Ostern auf Lesbos. Die Tage sind wie im Flug vergangen und während in Deutschland die Osterfeuer brennen, versuche ich, meine Gedanken zu sammeln. All das, was mir in den letzten Tagen begegnet ist, was ich gehört, gesehen und gelesen habe. Es fühlt sich an, wie ein gigantisch großer Stapel Material. Bunt gemischte Eindrücke, Widersprüchliches, Paradoxes, Schönes, Trauriges.

Mittwoch, 23. März 2016

Abschied für immer? Warum Tränen manchmal nicht reichen

Einen Tag, bevor ich sicher mit dem Flugzeug auf Lesbos gelandet bin, sind zwei Männer aus Syrien auf der Flucht nach Lesbos gestorben. Sie wurden leblos aus einem überfüllten Schlauchboot geborgen und alle Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. In den Medien war es eine Randnotiz. Für die Menschen, die ihnen nahestanden und für die Helfer nicht.

Wieder auf Lesbos

Seit gestern Mittag bin ich wieder auf Lesbos. Zwischen meinem letzten und dem jetzigen Aufenthalt liegt nicht viel Zeit. Und doch liegen Welten dazwischen. Plötzlich wärmt die Frühlingssonne, die Balkanroute ist geschlossen, die Glyzinen und andere Blumen blühen, Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Gewalt fliehen, werden wieder in die Türkei oder mit ungewisser Zukunft auf das Festland geschickt, die Insel zeigt sich von ihrer wahrscheinlich schönsten Seite und die Bewohner von Lesbos wissen jetzt schon, dass die Touristen, die sonst im Frühling, Sommer und im Herbst die Insel bevölkern, fernbleiben werden.

Sonntag, 13. März 2016

Liebe ist der Schlüssel

Eigentlich ist alles gesagt, alles geschrieben. Nichts, was man mehr hinzufügen könnte. Alles offenbart. Wer heute sein Kreuz bei der AfD macht oder nicht wählen geht, der kann im Nachhinein nicht mehr behaupten, er habe nicht gewusst, was er damit bewirkt. Wenn ich die Entwicklungen in Österreich, in Polen, Ungarn, in Amerika und Frankreich sehe, wird mir Angst und Bange. Damit wird es aber nicht besser. Im Gegenteil. Wenn ich so denke, verfange ich mich im Negativitätsstrudel. Also versuche ich lieber, mich auf etwas zu konzentrieren, was ich aus einem Kinderfilm gelernt habe. Lust auf ein Märchen?

Freitag, 11. März 2016

Von Mensch zu Mensch

Seit ich aus Idomeni zurück bin, frage ich mich, wie es sein kann, dass viele von uns für die Toten von Charlie Hebdo auf die Straße gegangen sind, dass wir nach den Attentaten von Paris aus Solidarität unsere Profilbilder mit der Trikolore geschmückt haben, alle Charlie oder Paris waren, wir uns aber jetzt so schwer damit tun, für die Menschen, die in Idomeni festsitzen, aufzustehen und auf die Straße zu gehen.