Donnerstag, 2. Februar 2017

Aufstand der Anständigen

In den letzten Wochen sind in Griechenland sechs Geflohene gestorben. Offiziell an Kälte, an Herzversagen. Wirklich gestorben sie sie allerdings an unserer Kälte und an unserem Herzversagen. Was ist nur los mit uns Menschen? Wir bezeichnen uns als die Krone der Schöpfung und benehmen uns so primitiv, dass es schmerzt.

Sonntag, 29. Januar 2017

Zieht Trump den Stecker

Gerade lese ich, dass Trumps Einreiseverbot auch Piloten und Flugbegleiter trifft und die Gesellschaften deshalb kurzfristig umplanen müssen. Warum müssen sie umplanen? Warum bleiben sie nicht einfach am Boden? Warum bleibt diese Welt nicht überhaupt mal für einen Moment stehen und zeigt einem offensichtlich narzisstisch schwer gestörten Mann, was Zusammenhalt bedeutet? Warum posten wir Bilder, teilen mit Entsetzen jeden Furz, den dieser Mann ablässt, statt zu agieren? Statt ihm einen Schritt voraus zu sein. Trump hält der Welt eine Möhre vor die Nase und alle rennen japsend hinterher. Das nennt sich vielleicht Diplomatie, aber das wird unser Problem nicht lösen.

Freitag, 27. Januar 2017

Warum ich mich von Facebook zurückziehe

Heute Morgen bin ich mit meinem Hund durch den Grunewald gelaufen. Umgeben von klarer, kalter Luft, begleitet von einem Sonnenaufgang. Die Wege waren vereist, aber Dank Spikes unter den Schuhen hielt sich die Rutschgefahr in Grenzen. Wunderbar – ich liebe unsere morgendlichen Laufausflüge. Sie sind Auszeit und Tankstelle gleichzeitig. Und sie geben Raum für Gedankensprünge, bereiten den Boden für Konsequenzen.

Sonntag, 18. Dezember 2016

Bitte schweigt!

Vielleicht erinnerst Du Dich an meinen Post vom 16. April. Er hieß "Verdammt müde" und es ging damals um das kräftezehrende Meinungsgewitter, dem wir tagtäglich ausgeliefert sind. Acht Monate ist das nun her und was ich diesbezüglich momentan fühle und mir wünsche, lässt sich gut in zwei Worten zusammenfassen: "Bitte schweigt!"

Dienstag, 6. Dezember 2016

Von Mensch zu Mensch

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber je älter ich werde, um so skurriler erscheint mir der Affenzirkus, den wir um das, was wir Leben nennen, gebaut haben. Ich frage mich immer öfter, wo der Ausgang ist. Die Tür, um wieder in das einzutreten, was uns eigentlich ausmacht und was wir offensichtlich in all dem Wohlstands-, Gier-, Politik-, Wellness-, Jammer-, Geld-, Flüchtlings-, Regelwerk-, Werte- und Leistungsgetöse völlig aus den Augen verloren haben. Nämlich uns.

Donnerstag, 10. November 2016

Natan, Trump und eine Straßenbahn

Es gibt Tage, da fügen sich die Ereignisse auf seltsame Weise zusammen. Gestern war so ein Tag. Während in Amerika ein Populist, Rassist und Frauenverachter seinen Wahlsieg feierte, saß ich im Zentrum für politische Bildung in Berlin, sah den Film "Linie 41" und lauschte unter anderem dem 89-jährigen Juden Natan Grossmann, der einen Teil seiner Kindheit im Ghetto von Litzmannstadt (heute Łódź) verbracht hatte.

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Gleis 17 - Warum wir niemals vergessen dürfen


Wie können wir verhindern, dass Rassismus sich in unserer Gesellschaft ausbreitet? Eine Frage, die derzeit viele Menschen - mich eingenommen - bewegt. Mit Entsetzen beobachte ich, wie sich Fremdenfeindlichkeit und Hetze gesellschaftliche Räume erobern. Wie sie wieder alltäglich werden. Wie Hass auf andere Bevölkerungsgruppen, auf Geflohene sich nicht nur durch die sozialen Netzwerke zieht, sondern von Rednertribünen, bei Kundgebungen oder auf Parteiversammlungen seinen Weg in die Köpfe der Menschen findet.

Dienstag, 4. Oktober 2016

Feindesland Dresden

Dresden ist meine Heimatstadt. Dort bin ich geboren. Dort habe ich die ersten Jahre meines Lebens verbracht. Meine Oma hat die Bombardierung Dresdens erlebt. Meine Mutter ist mit drei Geschwistern als Nachkriegskind dort aufgewachsen. Sie hatte Rachitis, weil es nichts zu essen gab. Meine Familie hat erlebt, wie Dresden nach dem Krieg aufgebaut wurde. Aus der Ferne haben wir später zugesehen, wie die Stadt nach der Wende erblühte. Und dann stehe ich heute fast 27 Jahre nach der Wende einer pöbelnden und grölenden Menschenmenge gegenüber, die ernsthaft glaubt, dass die Politik sie vernichtet.

Mittwoch, 10. August 2016

Wie parallel ist parallel?

"Existieren Parallelgesellschaften in Deutschland?" so eine Überschrift heute in der Süddeutschen Online. Gemeint mit "Parallelgesellschaften" sind Muslime und Migranten, die sich nicht integrieren wollen. Irgendwie musste ich schmunzeln, als ich die Überschrift las. Darüber, wie der Blick wieder weg von den Deutschen auf die anderen gerichtet wird. Migranten und Muslime bilden in Deutschland keine Parallelgesellschaften. Diese Rolle haben ganz andere besetzt.

Freitag, 8. Juli 2016

Nein heißt Nein

Nun ist es durch – das neue Sexualstrafrecht. Gelobt von vielen, als DER DURCHBRUCH gefeiert und bejubelt. Und obwohl ich ein Frau bin, obwohl ich selbst schon Opfer sexueller Gewalt war, kann ich in den Jubel nicht einstimmen. Nicht nur, dass ich die Art und Weise, wie es durchgepeitscht wurde und wie der Vorfall "Lohfink" instrumentalisiert wurde, völlig daneben finde. Ich bin auch der Meinung, dass es den Graben zwischen den Geschlechtern noch mehr aufreißt und das in einer Zeit, in der wir uns ohnehin schon ordentlich entfremdet haben.