Sonntag, 14. Januar 2018

Moria – das Land, in dem man sehen wird

Hin und wieder wird die Stimme von Frank Alva Bücheler, Geschäftsführer des Restaurants LAWRENCE ein wenig brüchig. Als er über die siebenköpfige Familie erzählt, die in Damascus, einen Kilometer von seiner Unterkunft entfernt, Opfer eines Granatenangriffs wurde. Als er die Bilder von den Einschlägen in einer Kirche zeigt, die er tags zuvor noch besucht hatte. 
Seit gut 24 Stunden bin ich wieder in Berlin. Dieselbe Zeitspanne, die die Sondierungsgespräche umfasst hat, um eine Politik zu beschließen, die sich weit über unsere Grenzen hinaus, bis nach Damascus und nach Afrika, auswirken wird. Hier auf meinem Stuhl im LAWRENCE fließt das plötzlich zusammen – Syrien, Griechenland, Deutschland – und wenn ich jetzt reden müsste, dann wohl auch mit einer Stimme, die mein Entsetzen über all das Erlebte der letzten Tage verrät.

Donnerstag, 11. Januar 2018

Flieg freier Vogel, flieg!

Wenn man von Mytilene aus ein paar Kilometer Richtung Süden fährt, gelangt man an die Stelle, wo vor zwei Jahren das Campfire war. Ein Treffpunkt am Strand, an dem sich Volontäre aus aller Welt zusammenfanden und Tag und Nacht Wache hielten. Es gab stets eine Organisation, die für die Koordination zuständig war, Meldung erhielt, wenn ein Boot in Sichtweite auftauchte, die Informationen weiterleitete, so dass die Helfer an die jeweiligen Punkte fahren konnten. Ich habe viele Stunden am Feuer verbracht. Als ich heute vorbeifuhr, war der Hotspot von einst ein ganz gewöhnlicher Strandabschnitt.

Dienstag, 9. Januar 2018

Wie der Himmel und das Meer

Gestern war einer der Tage, an dem das Meer so silbrig war, dass es sich mit dem Blaugrau des Horizonts vermischte. Vielleicht war es auch umgekehrt, man weiß es nicht so genau, jedenfalls musste ich ständig die Augen zusammenkneifen, weil das Licht so blendete. Seit drei Tagen bin ich auf Lesbos, habe mich wieder daran gewöhnt, mich im Einbahnstraßennetz von Mytilene zu bewegen und das während gefühlt 20 Mopeds von allen Richtungen mein Auto einkreisen. In Griechenland Auto zu fahren, ist ein Abenteuer, eines von denen, die gefährlich sind und trotzdem Spaß machen. Aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen.

Montag, 8. Januar 2018

Von wahren Krisen und Opfergehabe

Es ist das vierte Mal, dass ich auf Lesbos bin, seit die sogenannte "Flüchtlingskrise" diese Insel beherrscht. Flüchtlingskrise – das Wort hat mich von Beginn an gestört. Denn jene, die es benutzen, sind nicht die, die in einer Krise stecken. Jene, die es nutzen, haben alle Mittel, die angebliche Krise umgehend zu beenden. Eine wahre Krise ist es nur für die Flüchtlinge selbst, denn ihnen sind die Hände gebunden. Sie sind der Willkür ausgesetzt, der Gesetzlosigkeit, die zum Beispiel in Moria herrscht, sie sind dem Tod ausgeliefert, weil jene, die sich in ihrer Krise gut eingerichtet haben, den Opferstatus missbrauchen.

Sonntag, 7. Januar 2018

Zwei Seiten einer Insel

Als ich die ersten Schritte aus dem Flughafen von Mytilene gehe, gibt die Sonne ihr Bestes. Der Himmel ist fast wolkenlos, im Gegensatz zu Berlin ist es warm, ich sehe das strahlend blaue Meer, die Palmen. Nichts, das von den Dramen erzählt, die sich hier abgespielt haben und immer noch abspielen. Auch später, als ich vom Hotel die Hafenbucht entlang bis nach Kara Tepe, einem der offiziellen Camps hier auf Lesbos laufe, bleiben die Hinweise dürftig.

Montag, 13. November 2017

Human Flow - Ai WeiWei über das Leben der Flüchtlinge dieser Welt

Noch ein paar Tage, dann startet der Film "Human Flow" des chinesischen Konzeptkünstlers Ai WeiWei in den deutschen Kinos. Ein Film über die Flüchtlingsbewegung auf dieser Erde. Ein Film über Lager, in denen Tausende leben, manchmal auch einfach hausen. Ein Film über Menschen, die jahrelang unterwegs sind, niemals so richtig ankommen oder auch ihr Leben auf der Flucht verlieren.
Ich hatte die Gelegenheit, letzte Woche bei der Premiere des Films in Berlin im Kino International dabei zu sein.

Sonntag, 8. Oktober 2017

Zeit, dass sich was dreht – Väter und Väterlichkeit

Vor zwei Jahren erschien mein Buch "Die verletzte Tochter", mit dem ich versucht habe, eine Brücke zwischen der eigenen Erfahrung der Vaterentbehrung und den gesellschaftlichen Folgen, die uns alle betreffen, zu schlagen. Seither ist viel passiert und ich sehe, dass die Themen Väterlichkeit und Vaterentbehrung politisch brisanter sind, als viele wahrhaben wollen.

Donnerstag, 28. September 2017

Die Bratenrevolution

Neulich habe ich auf Facebook die Geschichte mit den zwei Wölfen erzählt. Weil sie so gut in unsere Zeit passt. Weil wir alle angehalten sind, immer wieder neu zu überlegen, welchen Wolf wir füttern müssen. In diesem Zusammenhang ist mir eine weitere Geschichte eingefallen, die ich hier auf dem Blog vor vielen Jahren schon einmal aufgeschrieben habe und die ich heute aufgreifen will. Es ist die Geschichte von den Bratenenden.

Mittwoch, 12. Juli 2017

Pro Frieden, pro Welt, pro Leben

In ein paar Tagen werde ich 50. Abgesehen davon, was das ganz persönlich mit mir macht, baut sich ein Anliegen, das mich – so lange ich denken kann – begleitet, immer lauter vor mir auf. Ich hatte mir irgendwann mal geschworen, dass diese Welt, wenn ich sie später verlasse, eine bessere sein sollte, als die, die ich vorgefunden habe.

Freitag, 30. Juni 2017

Mission Lebensrettung

Axel Steier
 Während die einen vom Sofa oder vom Schreibtisch aus darüber debattieren, ob es richtig ist, dass private Hilfsorganisationen auf dem Mittelmeer Menschenleben retten, schaffen andere Tatsachen. Axel Steier ist einer von ihnen. Als Kopf von Mission Lifeline sammelt er seit über einem Jahr Spenden für ein Rettungsboot,  das ab Mitte August mit einem internationalen Helfer-Team auf dem Mittelmeer patrouillieren, Menschen, die in Seenot geraten sind, aufnehmen und sie an andere Schiffe übergeben wird.