Donnerstag, 10. November 2016

Natan, Trump und eine Straßenbahn

Es gibt Tage, da fügen sich die Ereignisse auf seltsame Weise zusammen. Gestern war so ein Tag. Während in Amerika ein Populist, Rassist und Frauenverachter seinen Wahlsieg feierte, saß ich im Zentrum für politische Bildung in Berlin, sah den Film "Linie 41" und lauschte unter anderem dem 89-jährigen Juden Natan Grossmann, der einen Teil seiner Kindheit im Ghetto von Litzmannstadt (heute Łódź) verbracht hatte.

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Gleis 17 - Warum wir niemals vergessen dürfen


Wie können wir verhindern, dass Rassismus sich in unserer Gesellschaft ausbreitet? Eine Frage, die derzeit viele Menschen - mich eingenommen - bewegt. Mit Entsetzen beobachte ich, wie sich Fremdenfeindlichkeit und Hetze gesellschaftliche Räume erobern. Wie sie wieder alltäglich werden. Wie Hass auf andere Bevölkerungsgruppen, auf Geflohene sich nicht nur durch die sozialen Netzwerke zieht, sondern von Rednertribünen, bei Kundgebungen oder auf Parteiversammlungen seinen Weg in die Köpfe der Menschen findet.

Dienstag, 4. Oktober 2016

Feindesland Dresden

Dresden ist meine Heimatstadt. Dort bin ich geboren. Dort habe ich die ersten Jahre meines Lebens verbracht. Meine Oma hat die Bombardierung Dresdens erlebt. Meine Mutter ist mit drei Geschwistern als Nachkriegskind dort aufgewachsen. Sie hatte Rachitis, weil es nichts zu essen gab. Meine Familie hat erlebt, wie Dresden nach dem Krieg aufgebaut wurde. Aus der Ferne haben wir später zugesehen, wie die Stadt nach der Wende erblühte. Und dann stehe ich heute fast 27 Jahre nach der Wende einer pöbelnden und grölenden Menschenmenge gegenüber, die ernsthaft glaubt, dass die Politik sie vernichtet.

Mittwoch, 10. August 2016

Wie parallel ist parallel?

"Existieren Parallelgesellschaften in Deutschland?" so eine Überschrift heute in der Süddeutschen Online. Gemeint mit "Parallelgesellschaften" sind Muslime und Migranten, die sich nicht integrieren wollen. Irgendwie musste ich schmunzeln, als ich die Überschrift las. Darüber, wie der Blick wieder weg von den Deutschen auf die anderen gerichtet wird. Migranten und Muslime bilden in Deutschland keine Parallelgesellschaften. Diese Rolle haben ganz andere besetzt.

Freitag, 8. Juli 2016

Nein heißt Nein

Nun ist es durch – das neue Sexualstrafrecht. Gelobt von vielen, als DER DURCHBRUCH gefeiert und bejubelt. Und obwohl ich ein Frau bin, obwohl ich selbst schon Opfer sexueller Gewalt war, kann ich in den Jubel nicht einstimmen. Nicht nur, dass ich die Art und Weise, wie es durchgepeitscht wurde und wie der Vorfall "Lohfink" instrumentalisiert wurde, völlig daneben finde. Ich bin auch der Meinung, dass es den Graben zwischen den Geschlechtern noch mehr aufreißt und das in einer Zeit, in der wir uns ohnehin schon ordentlich entfremdet haben.

Mittwoch, 29. Juni 2016

Die Sache mit der Verantwortung

In meinem Schlafzimmer stehen zwei Kommoden der Marke "MALM" von Ikea. Sie stehen dort seit vier Jahren, vorher waren sie in einem anderen Schlafzimmer zuhause. Wäre ich Amerikanerin und würde in den Vereinigten Staaten leben, dann müsste ich meine Kommoden nun zurück zu Ikea bringen. Warum? Weil sie nicht kippsicher sind.

Donnerstag, 28. April 2016

Steh auf!

Egal ob man Kinder hat oder nicht - jeder Mensch kann sich vorstellen, wie abgrundtief der Schmerz sein muss, wenn man sein geliebtes Kind verliert. Gerade habe ich wieder die Bilder aus Syrien gesehen. Von weinenden Eltern, die es nicht fassen können, dass ihnen ihre Kinder genommen wurden. Ich erspare Euch den Anblick, aber nicht meinen Schmerz darüber. Und ich schreibe das hier auch gern hundert- oder tausendmal, bis endlich etwas passiert.

Dienstag, 19. April 2016

Idomeni - wo Politik versagt

Der Straßenhund hebt den Kopf, dann wedelt er kurz mit dem Schwanz und kommt auf mich zu. Er sagt nicht Hello wie die Kinder von Idomeni. Er zupft nicht an meinem Pulli, greift nicht in meine Taschen oder streckt die Hand für ein Gib check aus. Nein. Er bleibt stehen und schaut mich mit seinen liebevollen, braunen Augen an.

Samstag, 16. April 2016

Verdammt müde

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich bin verdammt müde. Nicht, weil ich mir die Nächte um die Ohren schlage oder zu viel arbeite. Es ist eine andere Müdigkeit, eine, die mich runterzieht, die mich zweifeln lässt. Eine, die sich so gar nicht gut anfühlt und die man auch nicht wegbekommt, indem man sich nachmittags mal eben kurz in die Sonne setzt und die Seele baumeln lässt.

Donnerstag, 7. April 2016

Ein offener Brief

Sehr geehrte Frau Merkel,
der letzte Brief, den ich einem Politiker geschrieben habe, war an Erich Honecker adressiert. Es war ein wütender Brief, weil ich mich eingesperrt und ungerecht behandelt fühlte. Ich wollte ausreisen, zu meiner Mutter nach Westberlin übersiedeln, aber das Ministerium des Inneren verweigerte mir über zweieinhalb Jahre diesen Wunsch.