Dienstag, 20. Februar 2018

Die Beweger – Stefan Kruecken, Verleger vom Ankerherz Verlag

Die Beweger – meine neue Reihe hier auf der Spaziergängerin. In loser Folge stelle ich Euch Menschen vor, die unsere Gesellschaft bereichern. Die etwas anstoßen, die nicht wegschauen, die nicht quatschen, sondern machen. Manche sind bekannt, andere weniger. Gemeinsam haben sie alle, dass sie etwas bewegen. In unseren Herzen und in unseren Köpfen.
Den Anfang macht Stefan Kruecken, Verleger vom Ankerherz Verlag. Ich war mit ihm und 31 anderen Gästen für sechs Tage auf dem Nordatlantik unterwegs. Eine Reise, die nicht nur bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen hat.

Montag, 29. Januar 2018

Gebrochene Seelen, starke Bilder

Es ist ein trüber Vormittag, ab und an nieselt es oder eine Windböe fegt durch die Charlottenburger Schloßstraße. Kein schönes Wetter für die Eröffnung einer Freiluftausstellung und doch passt die Stimmung zu dem, was gezeigt wird: großformatige Bilder des Fotografen Luigi Toscano, Porträts Verfolgter des NS-Regimes und Überlebender des Holocaust. Gesichter, so nah und eindringlich, das es manchmal schmerzt hinzusehen und bei näherer Betrachtung das, woran die 96-jährige Zeitzeugung Margot Friedländer in ihrer Rede erinnert, plötzlich zur Realität wird.

Freitag, 26. Januar 2018

#diesejungenLeute

Vor ein paar Tagen las ich auf Facebook einen Post, in dem es um den Aufruf der JuSos ging, in die SPD einzutreten, um bei der Mitgliederabstimmung gegen die GroKo zu stimmen. Der Verfasser des Posts war der Meinung, dass das absolut schädigend für die Partei sei und dass man solches Verhalten betrafen sollte.

Dienstag, 23. Januar 2018

Palermo und der Wandel

Palermo verabschiedet mich am Flughafen mit einer Ausstellung. Ich kann leider kein Italienisch, aber die Bilder sprechen eine Sprache, die jeder versteht. 30 Leichensäcke aus Plastik liegen aufgebahrt, eine Frau weint um ihren Mann, während ein Mann in Verzweiflung gefangen, die Hand einer Helferin hält. Rund 400.000 boat people hat Sizilien 2016 aufgenommen – eine Zahl, die angesichts der Größe Siziliens im Vergleich zu Deutschland gigantisch erscheint, waren es doch bei uns im Jahr 2016 nur gut 200.000.

Freitag, 19. Januar 2018

Die Gutmenschenfraktion

Wenn ich auf die Tage auf Lesbos zurückschaue, dann war wohl das Schönste die Tatsache, dass ich umgeben von Gutmenschen war. Menschen, die aus allen Teilen der Welt angereist, nur eins im Sinn hatten: ihre Zeit, ihre Liebe und ihr Mitgefühl jenen zu geben, die momentan wohl alles andere als auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Wie schön war das, sich nicht wie ein Alien zu fühlen, nicht erklären zu müssen, warum man sein Geld für etwas ausgibt, dass keine Rendite abwirft.

Mittwoch, 17. Januar 2018

Die Alternative ist keine

"Es ist Ordnung in die Asylpolitik zurückgekehrt", so die Worte von Innenminister Thomas de Maizière, nachdem die Zahl der Asylbewerber von 2017 bekannt gegeben wurde. Ordnung, so, so. Haben wir fein aufgeräumt, ja? Haben wir alles schön geputzt, den Dreck hinter den Schrank und unter den Teppich gekehrt, damit Mutti sieht, was für feine Jungs wir sind? Damit der alte Onkel mit dem bösen Blick, den blauen Augen und seinen vielen Anhängern zufrieden ist und die Anhänger das nächste Mal vielleicht doch lieber wieder CDU, SPD oder CSU wählen?

Sonntag, 14. Januar 2018

Moria – das Land, in dem man sehen wird

Hin und wieder wird die Stimme von Frank Alva Bücheler, Geschäftsführer des Restaurants LAWRENCE ein wenig brüchig. Als er über die siebenköpfige Familie erzählt, die in Damascus, einen Kilometer von seiner Unterkunft entfernt, Opfer eines Granatenangriffs wurde. Als er die Bilder von den Einschlägen in einer Kirche zeigt, die er tags zuvor noch besucht hatte. 
Seit gut 24 Stunden bin ich wieder in Berlin. Dieselbe Zeitspanne, die die Sondierungsgespräche umfasst hat, um eine Politik zu beschließen, die sich weit über unsere Grenzen hinaus, bis nach Damascus und nach Afrika, auswirken wird. Hier auf meinem Stuhl im LAWRENCE fließt das plötzlich zusammen – Syrien, Griechenland, Deutschland – und wenn ich jetzt reden müsste, dann wohl auch mit einer Stimme, die mein Entsetzen über all das Erlebte der letzten Tage verrät.

Donnerstag, 11. Januar 2018

Flieg freier Vogel, flieg!

Wenn man von Mytilene aus ein paar Kilometer Richtung Süden fährt, gelangt man an die Stelle, wo vor zwei Jahren das Campfire war. Ein Treffpunkt am Strand, an dem sich Volontäre aus aller Welt zusammenfanden und Tag und Nacht Wache hielten. Es gab stets eine Organisation, die für die Koordination zuständig war, Meldung erhielt, wenn ein Boot in Sichtweite auftauchte, die Informationen weiterleitete, so dass die Helfer an die jeweiligen Punkte fahren konnten. Ich habe viele Stunden am Feuer verbracht. Als ich heute vorbeifuhr, war der Hotspot von einst ein ganz gewöhnlicher Strandabschnitt.

Dienstag, 9. Januar 2018

Wie der Himmel und das Meer

Gestern war einer der Tage, an dem das Meer so silbrig war, dass es sich mit dem Blaugrau des Horizonts vermischte. Vielleicht war es auch umgekehrt, man weiß es nicht so genau, jedenfalls musste ich ständig die Augen zusammenkneifen, weil das Licht so blendete. Seit drei Tagen bin ich auf Lesbos, habe mich wieder daran gewöhnt, mich im Einbahnstraßennetz von Mytilene zu bewegen und das während gefühlt 20 Mopeds von allen Richtungen mein Auto einkreisen. In Griechenland Auto zu fahren, ist ein Abenteuer, eines von denen, die gefährlich sind und trotzdem Spaß machen. Aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen.

Montag, 8. Januar 2018

Von wahren Krisen und Opfergehabe

Es ist das vierte Mal, dass ich auf Lesbos bin, seit die sogenannte "Flüchtlingskrise" diese Insel beherrscht. Flüchtlingskrise – das Wort hat mich von Beginn an gestört. Denn jene, die es benutzen, sind nicht die, die in einer Krise stecken. Jene, die es nutzen, haben alle Mittel, die angebliche Krise umgehend zu beenden. Eine wahre Krise ist es nur für die Flüchtlinge selbst, denn ihnen sind die Hände gebunden. Sie sind der Willkür ausgesetzt, der Gesetzlosigkeit, die zum Beispiel in Moria herrscht, sie sind dem Tod ausgeliefert, weil jene, die sich in ihrer Krise gut eingerichtet haben, den Opferstatus missbrauchen.