Freitag, 8. Juli 2016

Nein heißt Nein

Nun ist es durch – das neue Sexualstrafrecht. Gelobt von vielen, als DER DURCHBRUCH gefeiert und bejubelt. Und obwohl ich ein Frau bin, obwohl ich selbst schon Opfer sexueller Gewalt war, kann ich in den Jubel nicht einstimmen. Nicht nur, dass ich die Art und Weise, wie es durchgepeitscht wurde und wie der Vorfall "Lohfink" instrumentalisiert wurde, völlig daneben finde. Ich bin auch der Meinung, dass es den Graben zwischen den Geschlechtern noch mehr aufreißt und das in einer Zeit, in der wir uns ohnehin schon ordentlich entfremdet haben.

Mittwoch, 29. Juni 2016

Die Sache mit der Verantwortung

In meinem Schlafzimmer stehen zwei Kommoden der Marke "MALM" von Ikea. Sie stehen dort seit vier Jahren, vorher waren sie in einem anderen Schlafzimmer zuhause. Wäre ich Amerikanerin und würde in den Vereinigten Staaten leben, dann müsste ich meine Kommoden nun zurück zu Ikea bringen. Warum? Weil sie nicht kippsicher sind.

Donnerstag, 28. April 2016

Steh auf!

Egal ob man Kinder hat oder nicht - jeder Mensch kann sich vorstellen, wie abgrundtief der Schmerz sein muss, wenn man sein geliebtes Kind verliert. Gerade habe ich wieder die Bilder aus Syrien gesehen. Von weinenden Eltern, die es nicht fassen können, dass ihnen ihre Kinder genommen wurden. Ich erspare Euch den Anblick, aber nicht meinen Schmerz darüber. Und ich schreibe das hier auch gern hundert- oder tausendmal, bis endlich etwas passiert.

Dienstag, 19. April 2016

Idomeni - wo Politik versagt

Der Straßenhund hebt den Kopf, dann wedelt er kurz mit dem Schwanz und kommt auf mich zu. Er sagt nicht Hello wie die Kinder von Idomeni. Er zupft nicht an meinem Pulli, greift nicht in meine Taschen oder streckt die Hand für ein Gib check aus. Nein. Er bleibt stehen und schaut mich mit seinen liebevollen, braunen Augen an.

Samstag, 16. April 2016

Verdammt müde

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich bin verdammt müde. Nicht, weil ich mir die Nächte um die Ohren schlage oder zu viel arbeite. Es ist eine andere Müdigkeit, eine, die mich runterzieht, die mich zweifeln lässt. Eine, die sich so gar nicht gut anfühlt und die man auch nicht wegbekommt, indem man sich nachmittags mal eben kurz in die Sonne setzt und die Seele baumeln lässt.

Donnerstag, 7. April 2016

Ein offener Brief

Sehr geehrte Frau Merkel,
der letzte Brief, den ich einem Politiker geschrieben habe, war an Erich Honecker adressiert. Es war ein wütender Brief, weil ich mich eingesperrt und ungerecht behandelt fühlte. Ich wollte ausreisen, zu meiner Mutter nach Westberlin übersiedeln, aber das Ministerium des Inneren verweigerte mir über zweieinhalb Jahre diesen Wunsch.

Sonntag, 27. März 2016

The failed state - Idomeni

Der Registrierungshotspot Moria
Ich sitze im Terminal B des Internationalen Flughafens von Athen. In meiner Tasche habe ich einen Ausweis, ein iPad, ein Handy und eine Kreditkarte - eine Ausstattung, die es mir ermöglichen würde, von hier aus zwar nicht um die ganze Welt, aber immerhin problemlos nach Grönland, Tunesien, ins Kosovo und in alle europäischen Länder zu reisen, um notfalls von dort aus auch arbeiten zu können. Ein paar Hundert Kilometer von mir entfernt, in Idomeni, auf Lesbos oder Chios sitzen Menschen fest, denen all das nicht gestattet ist.

Samstag, 26. März 2016

Take care, Volonteers!

Ostern auf Lesbos. Die Tage sind wie im Flug vergangen und während in Deutschland die Osterfeuer brennen, versuche ich, meine Gedanken zu sammeln. All das, was mir in den letzten Tagen begegnet ist, was ich gehört, gesehen und gelesen habe. Es fühlt sich an, wie ein gigantisch großer Stapel Material. Bunt gemischte Eindrücke, Widersprüchliches, Paradoxes, Schönes, Trauriges.

Mittwoch, 23. März 2016

Abschied für immer? Warum Tränen manchmal nicht reichen

Einen Tag, bevor ich sicher mit dem Flugzeug auf Lesbos gelandet bin, sind zwei Männer aus Syrien auf der Flucht nach Lesbos gestorben. Sie wurden leblos aus einem überfüllten Schlauchboot geborgen und alle Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. In den Medien war es eine Randnotiz. Für die Menschen, die ihnen nahestanden und für die Helfer nicht.

Wieder auf Lesbos

Seit gestern Mittag bin ich wieder auf Lesbos. Zwischen meinem letzten und dem jetzigen Aufenthalt liegt nicht viel Zeit. Und doch liegen Welten dazwischen. Plötzlich wärmt die Frühlingssonne, die Balkanroute ist geschlossen, die Glyzinen und andere Blumen blühen, Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Gewalt fliehen, werden wieder in die Türkei oder mit ungewisser Zukunft auf das Festland geschickt, die Insel zeigt sich von ihrer wahrscheinlich schönsten Seite und die Bewohner von Lesbos wissen jetzt schon, dass die Touristen, die sonst im Frühling, Sommer und im Herbst die Insel bevölkern, fernbleiben werden.